Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. (2.Mose 20,2)


Sehen und Verstehen

"Sehen und Verstehen"Eine Predigt in Reimen vor dem Rosenmontag
über Lukas 18,31–43 am 15. Februar 2026 in Großschönau und Hainewalde
von Pfr. Gerd Krumbiegel

Liebe, Gemeinde,
wie wäre das, die Augen geöffnet zu bekommen für eine neue Wirklichkeit? Einmal einen Blick tun zu können hinter den Vorhang der Dinge. Vom Nicht-Sehen-Wollen und Doch-Wieder-Sehen-Können erzählt auch unser heutiger Predigttext aus Lukas 18. Wir hören gleich zwei Begeben­heiten, die aber eng miteinander verbunden sind. Beide handeln davon, wie uns die Augen geöffnet werden können. Damit wir Gott erkennen, Vertrauen fassen und Heilung finden. Hören wir den Text:
Jesus nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Denn er wird über­antwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Sie aber verstanden nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie begriffen nicht, was damit gesagt war.

Es geschah aber, als er in die Nähe von Jericho kam, da saß ein Blinder am Wege und bettelte. Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. Da verkündeten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorüber. Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.

Liebe Gemeinde,
bevor ich etwas zum Text sage: morgen ist ja Rosenmontag. Dem einen oder anderen geht das bunte Treiben jetzt schon ein wenig auf die Nerven. Es ist gar nicht so einfach derzeit zwischen Olympia und Karneval überhaupt noch einen Sender zu finden, der etwas anderes überträgt. Umgekehrt mag mancher Faschings-Narr etwas abschätzig auf uns Christen schauen, die unerklärlicherweise lieber nüchtern in der Kirche sitzen als sich der Ausgelassenheit hinzugeben.
   Nun das ruft geradezu nach einem Beweis dafür, dass wir bei Kirchens auch nicht zum Lachen in den Keller gehen. Warum also nicht mal eine andere Predigtform wählen? Keine Sorge, das wird jetzt keine Büttenrede, aber den Versuch einer Predigt, in der sich nicht nur die Gedanken zusammenreimen, sondern auch die Worte.(1)

Wohlan, versammelte Gemeinde,
wir sehen Jesus, der sich seine Freunde
beiseite nahm und ihnen offenlegte,
worauf sein Geschick sich zubewegte.

„Seht“ sprach Jesus „es wird vollendet,
wozu Gott mich sendet.
Die Propheten schrieben es vorzeiten,
ich möchte euch drauf vorbereiten: 
Nicht Macht und Krone wird mich kleiden,
nein, mein Weg, der führt ins Leiden.
Zwar reißen Leid und Tod mich fort,
doch ist das nicht das letzte Wort.
Am dritten Tag, ihr werdet sehn,
lässt GOTT mich neu ins Leben gehn.“

Die Jünger hörten zwar die Worte schon,
doch sie verstanden nichts davon.
Wie sollten sie denn auch verstehen,
den Gang vom Tod zum Auferstehen?
Hier magst du Christenmensch dich freun,
da ging´s den Jüngern doch wie unsereim´.
Mochten sie sich logisch noch so verrenken,
den Tiefenblick kann nur der GLAUBE schenken.

Obwohl nun großes Fragen seine Jünger trieb,
so hatte ER die Seinen dennoch lieb.
Und als Hilfe zum Verstehen,
hieß Jesus sie nach Jericho zu gehen.

Kaum sahen sie die Tore dieser Stadt,
als alles kam, was Beine hat.
Und dort am Wege im Gedränge
saß unbeachtet von der Menge
ein blinder Mann und bettelte nach Groschen,
der horchte auf und fing auch an zu forschen
was der Grund für diesen Auflauf sei,
und erfuhr: Jesus von Nazareth gehe vorbei.

Da rief er: Jesus, Davidssohn, erbarme dich!
Und die, die ganz vornan, die ärgern sich.
Sie wolln den Herrn vom Glauben reden hören,
da kann der Bettelmann nur stören! 

Ja, wie oft sind doch die, die gar so vornean, 
im Erkennen dann der letzte Mann!
Was sie nicht sehen, das sieht der Arme - obwohl erblindet,
als er in Jesus den Sohn Davids findet.
Denn das geht über Ahnenforschung weit hinaus,
hier steht Gottes Sohn aus Davids Haus.
Doch die da vorn, die herrschen nur den Blinden an,
ohne zu fragen, wie er zu der Erkenntnis kam.
Sie sind sich ihrer Stellung, vielleicht auch ihres Glaubens, zu gewiss,
und werden für den am Weg zum Hindernis.

So mag es manch einer Gemeinde gehen,
in der sich die Kreise nur noch um sich selber drehen.
Wo man den Armen übersieht und Zwischen­fragen eher stören,
weil wir vor lauter alter Liturgie das Neue nicht mehr hören.

Hier nun könnte die Geschichte enden,
ließe es der blinde Mann dabei bewenden.
Doch statt sich den Mund knebeln zu lassen,
schreit er es weithin hörbar in die Massen.
„Erbarm dich meiner, Davids Sohn!“
Da hält Jesus an, denn ER hört ihn schon.

Das, liebe Gemeinde, lass dir zu Herzen gehen,
wenn wir IHN rufen, bleibt ER stehen.
Auch wenn die Stimmungen und Stimmen schwirren,
Jesus lässt sich nicht beirren.
ER, der Herz, Ohr und Stimme schuf,
der hört auch deinen zögernd kleinen Ruf.
Drum lass ihn nicht vorübergehen,
ruf und bete, so bleibt ER für dich stehen.

Mögen manche sich auch weiter vorn des Wegs einstufen,
wer nach IHM fragt, den lässt ER zu sich rufen.
Das eigentliche Wunder, es geschieht schon hier,
wenn Jesus spricht: „Führt ihn zu mir!“
Als nun der Blinde halb geführt, halb tastend diese Schritte ging,
war es der HERR, der fragend ihn empfing:
„Was willst du, was soll für dich geschehen?“
- Was für ´ne Frage, HERR, der Mann, der will doch sehen! -

Doch Halt! Wie oft meinen wir zu wissen, was der andre braucht und will,
und dann tun wir des Guten schon zu viel. – Zum Beispiel:
Die alte Dame, der wir halfen, die Straße zu überqueren,
wollt eigentlich woanders hin, sie konnt sich nur nicht wehren...

Darum ist diese Frage klug und wichtig,
und heute stellt sie Gott an DICH, so richtig:
Was würdest DU zu Jesus sagen, würde er DICH heute fragen:
„Was soll ich für dich tun und welche Sorge treibt dich um?
Welche Angst macht blind und welche Not dich stumm?
Was ist dir wichtiger als alles auf der Welt?“
Da sprach der Blinde: „Dass ich sehe und sich mein Blick erhellt.

Dass ich sehe, wofür ich bisher blind geblieben.
Dass ich erkenne, was Jesus uns ins Buch geschrieben.
Dass ich erahne im Tod das neue Leben
und im Schuldig-Werden das Vergeben.

Dass mir in Trauer spürbar wird das Hoffen
und wo ich das Ende seh, da steht mir Gottes Zukunft offen.
Wo ich mich um mich selber dreh, so schön und schick,
da gib zum Nächsten wieder mir den Blick.
Wo ich auf Kraft und Geld vertrau wie blind,
lass mich erkenn´ die Dinge, die viel größer sind.
Wo ich als unbrauchbar mich sehe,
zeig DU mir Sinn und Weg, dass ich ihn weiter gehe.
Wo tausend Dinge die Zuversicht mir rauben,
da sag DU: Sei sehend! Geholfen hat dein GLAUBEN.

Der Glaube nicht als Leistung gegen das Verstehen,
doch als Vertrauen, wer nach IHM ruft, den wird Jesus hörn und sehen.
Drum mag kein Wunsch als wichtiger mir taugen,
als dieser: Herr, öffne mir für DICH die Augen!

Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alles, was wir wahrnehmen können, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

(1) Die Idee zu einer gereimten Predigt habe ich von Prof. Dr. Rüdiger Lux, der in den Leipziger Universitätsgottesdiensten m.W. als erster vor dem Rosenmontag eine gereimte "Narrenpredigt" hielt. Die Reime hier - darauf ist in Zeiten von computer-generierten Texten hinzuweisen - stammen komplett vom Prediger, der dafür an höherer Stelle als der der künstlichen Intelligenz um Unterstützung bat. 

Ev.-Luth. Kirchgemeinde Großschönau 
Hauptstr. 55
02779 Großschönau
Tel: 035841/ 35776
Fax: 035841/ 67715
Email: kg.grossschoenau@evlks.de
Pfarrer Gerd Krumbiegel
Tel. 035841/ 67716

Pfarrerin Christin Jäger
Kirchstraße 13, 02791 Niederoderwitz
Tel.: 0162 573 9970
Mail: Christin.Jaeger@evlks.de

 
Öffnungszeiten des Pfarramtes
Großschönau, Hauptstraße 55: Di. und Do. 8.30 – 12.00 Uhr
und 14.00 – 17.30 Uhr
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Waltersdorf Dorfstraße 75: Mittwoch 14.30 – 16.30 Uhr

Friedhofsangelegenheiten Hainewalde: Herr Andreas Großer Montags 15.00-17.00 Uhr im Hospital, am Kirchberg 6, in Hainewalde

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