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Professor Johann Eleazar Zeissig,
genannt Schenau.
Altargemälde der Kirche zu Großschönau
"Die Auferstehung Jesu"
gemalt 1786 von Professor Johann Eleazar Zeissig, genannt
Schenau,
seiner Heimatgemeinde gestiftet 1787.
Auszug aus der
Zeit- und Ortsgeschichte
von
Großschönau
Herausgeber, Drucker und Verleger
Fr. August Czischkowsky
in Großschönau
1887
Ausfühlich gedenken wir in Hinsicht auf sein gemeinnütziges
Wirken für den Ort Großschönau des
Professor Johann Eleazar Zeissig, genannt
Schenau.
Am 23. August 1734 (Nicht
wie viele Schriften, so auch diejenige auf seinem Denkmal hiesigen
Kirchhofs, besagen, "am 7. November 1740")
wurde dem Häusler und Gezogenesweber Elias Zeissig
in Nr. 457 (jetzt Blaufärber Neumann) von seiner Ehefrau Anna
Elisabeth, geborene Paul, ein Zwillingspaar geschenkt, welches
nach damaliger Sitte auch an demselben Tage die Taufe empfing und
in derselben die Namen Maria Elisabeth (Maria Elisabeth
war die Erstgeborene) und Johann Elias erhielten.
Als Taufzeugen waren geladen:
Elias Grohmann, ein Junggesell,
Joh. Gottfried Goldberg, ein Junggesell,
und Frau Anna Maria Friedrich, des Gerichtsältesten
David Friedrich in Neuschönau Ehefrau.
Der Vater des jungen Elias war ein
Liebhaber nach seiner Art, alles dessen, was künstlich und
auszeichnend war. Er erzog seinen damals einzigen Sohn nebst fünf
Töchtern, lehrte sie im Rechnen, Schreiben und Lesen, ließ
auch Elias die Damastweberei erlernen.--
Der junge Elias jedoch hatte eine
besondere Lust zur Malerei, und ohne Anweisung zeichnete er schon
in den Kinderjahren. Der Vater hielt ihn in dieser Lust, gab ihm
jedoch hierzu nur Erlaubniß, wenn seine übrigen
Aufgaben gut geendet waren.
Die Begierde, Maler zu werden, nahm zu und ward zur Leidenschaft.
Ein Vetter und ein Nachbar, welche oft
nach Dresden reisten, nahmen den jungen Elias im zwölften
Jahr mit dahin. Wie staunte er hier alles an ---!, und sein Wunsch
war, "hier in der Residenz zu bleiben". Sein Vater, um
endlich Ruhe zu haben, schenkte seinen Bitten Gehör, führte
ihn zu einem Landsmann Namens Friedrich, welcher ein
geschickter Tapetenmaler war; allein dieser verlangte etliche
hundert Thaler Lehrgeld, siebenjährige Lehrzeit, wie auch
Selbstbeköstigung.
Das war ein harter Schlag, so daß
sich der junge Elias der bittersten Thränen nicht
enthalten konnte.
Im Quartier befand sich ein alter, grauköpfiger, braver Mann
namens Pursche aus Hennersdorf bei Herrnhut, welchen die
Thränen des Knaben rührten; er bat sich die Erlaubniß
aus, ihn mit zum "Herrn von Manjoky" nehmen zu dürfen.
Hier ward dem Knaben aufgegeben, das Kupfer des la Fontaine
(von Toque gemalt und Schmidt gestochen) zu
tuschen, welches wider Erwarten gut gerieth, so daß Manjoky
in die Worte ausbrach: "Hier ist viel Kopf;" ich bin ein
alter Greis dem ohngeachtet soll er hier bleiben, ich will ihn zu
meinem Freund, dem Dr. Rauchfuß geben, bis meine
Besoldung richtiger fällt, alsdann will ich ihn zu meiner "Spielbildungspuppe
machen".
Hier bei diesem ehrwürdigen Mann und
großen Rechtsconsulenten, welcher vormals in besseren Vernögensumständen
gelebt hatte, mußte Elias Zeissig alte Acten
copieren, nach Brod oft ganze Nächte lang mit arbeiten. Doch
da der Dr. Rauchfuß ein Mann von Geschmack war und
ehedem selbst auch ein großes Cabinet besessen, so erlaubte
er dem jugendlichen Zeissig zuweilen sich in seinem
Lieblingsfache zu üben.
Der Dr.Rauchfuß wurde
seitens Elias Zeissigs auf das Rührendste angegangen,
in dem neu erlernten Turialstyle zum Hauptzwecke mithelfen zu
wirken; indeß der Vater des jungen Elias wollte, daß
sein Sohn bei der Feder verbleibe, um später mit Hilfe
reicher Gönner Jura zu studieren.
Allein die letzte Opera Ezio, welche Elias
sah und wodurch der Drang zur Kunst nur noch lebhafter hervortrat,
noch mehr, der bevorstehende Krieg, der alle Aussichten auf
Unterstützungen zum Studiren vereitelte, machten, daß
der Dr. Rauchfuß mit einem Freund und Schüler
des großen Mengs, einem gewissen Beßler,
sprach, dieser nahm den angehenden Künstler auf und
unterrichtete ihn nach seines Lehrers Grundsätzen.
Auch das Zeichnen sollte Zeissig
richtiger erlernen, deshalb redete Beßler mit dem
damaligen Direktor der Akademie, dem Baron von Sylvester,
welcher auch die Annahme genehmigte. Zeissig zeichnete
trotz den elenden Umständen in Bezug seines Lebensunterhaltes
fleißig weiter.
Der Krieg brach mit Ungestüm aus,
Preußens Völker kamen an, Sachsens Armee ging verloren,
Preußische Werbungen geschahen gewaltthätig.
Da nun Zeissig sich durch Fleiß
und gutes Betragen in der Sylvesterischen Familie angenehm zu
machen gewußt, so ließ man ihn, weil er schönen
Wuchs hatte, nicht mehr ausgehen.
Die Lowositzer Schlacht ward von Seiten
Preußens gewonnen und in Dresden wimmelte alles von preußischen
Soldaten, da entschloß sich der Baron von Sylvester,
die Erlaubniß bei Ihrer Majestät der Königin
von Polen auszuwirken, nach paris reisen zu dürfen, um
seinen Vater zu besuchen.
Dies geschah Anfang des Winters, und der
junge Sylvester, so wie Zeissig, waren die
Geselschafter. Ehe Zeissig abreiste, nahm er noch Abschied
von Beßler und dem verdienstvollen Rauchfuß,
welch' letzterer ihn mit einer ovalen Münze zum Andenken
beschenkte. (Die Reise wurde im Jahre 1757 angetreten, d.V.)
In fünfzehn Tagen war die Reise nach Paris beendet.
Hier wurde die französische Sprache
gelernt und unaufhörlich gezeichnet. Der alte Sylvester,
welcher perpetueller Direktor der französischen Akademie war,
40 Jahre in Sachsen gelebt, Reichthum erworben, Glück und
Ehre genossen hatte, gab sich ungeachtet seines hohen Alters Mühe,
Zeissig mit besten Kräften zu unterstützen. Der
ehrwürdige Mann starb aber bald darauf am Stein.
Indessen sorgte nun der Sohn, der Direktor
der Dresdner Akademie für Zeissig, verschaffte ihm
gute Sachen zum Copieren und machte ihn mit den besten Künstlern
wie Vanlov, Vienne, Boucher, Greuze, Dandree, Bardon, Doyen,
Chardin, la Tour, le Moyne, Pigal und Bouchardon
bekannt. Ueberall hatte er Zutritt.
Von jetzt an wurde dem Baron von
Sylvester, als Direktor der Dresdner Akademie, die Besoldung
nicht mehr ausgezahlt unbd auch Zeissig rief sich selbst
nun zu: "Suche Deine Kräfte in Dir selber," zudem
war er bereits so weit in der Kunst vorgerückt, um gute
Copien nach verschiedenen Meistern zu fertigen, wodurch er seinen
Unterhalt gewann.
Ein gewisser W i l e, ein Vater
der deutschen jungen Künstler in Frankreich, hatte ihn lieb
gewonnen, nahm ihn in seine Akademie, welche er selbst unterhielt,
theilte ihm guten Rath mit, verschaffte ihm viele Arbeiten auch für
auswärtige Liebhaber und blieb sein steter Freund.
Der sächsische Gesandte General
Fontenay war gleichfalls sein eifriger Gönner und rieth
ihm, sich auf mehr als ein Fach in der malerei zu legen, damit er
nach überstandenem Kriege wieder nutzbar bei Manufakturen in
Sachsen angestellt werden könnte.
Dieses befolgte Zeissig, bereiste
Manufakturen, zeichnete für Kupferstecher, Bildschnitzer,
Goldarbeiter etc. und malte nebenbei vieles für seinen hohen
Beschützer und Gönner den Baron von Sylvester.
Endlich fand Mademoiselle von
Sylvester, die Vorleserin und Vertraute der Mad. la
Dauphine, welche geb. Prinzessin von Sachsen war,
Gelegenheit, den strebsamen Künstler in eine "höhere
Sphäre" zu versetzen, in dem sie ihm zu zwei Copien
verhalf, die in die Kapelle der Dauphine kommen sollten, nach
einem der schönsten Gemälde Ditricy, welches in der
Kapelle der Königin war. Es war eine freie Nachahmung der berühmten
Nacht des Corregio. Beide Copien geriethen nach allem Wunsch und
die Akademie erklärte sie für gut.
Zeissig bekam fürstliche
Belohnung dafür und erhielt fernere Aufträge, blieb
stets in Gunst und Gnade am Hofe bis an das beiderseitige traurige
Ende des Dauphins und seiner Gemahlin.
Während seines Aufenthaltes in
Versailles und auch in Paris, in welch' letzterer Stadt Zeissig
den Namen "Schenau" angenommen, hatte er das Glück,
einen Vetter Sylvesters gleichen Namens kennen zu lernen,
der königlicher Zeichenmeister und Lehrer war. Dieser besaß
selbst einen reichen Schatz von Handzeichnungen aller Schulen und
war überdies Verwahrer der Zeichnungssammlung des Königs.
Dieser unterstützte unseren Schenau
weiter; so hatte er sein wenig erworbenes Geld selbst (Sylvester)
aufbewahrt, wodurch er Schenau vor manchem der Jugend ebenbürtigen
Fehlern bewahrte; er gab ihm nur so viel in die Hände, als es
seine Bedürfnisse erheischten.
Mittlerweile studierte Schenau ernsthaft
auf der Intendanz zu Versailles und copierte nach Corregio,
Guido, Carrachi, Titian u.A.m.; setzte das Studium der Antiken
und des Modells in Louvree fleißig fort. Endlich gewann die
einzige Erfindung die Oberhand, und zwar neigte sie sich zur
Geschichte. Er unternahm stufenweise große Werke, war auch
in den letzten glücklich, allein große Werke bezahlt zu
bekommen, ist da, wo der Ueberfluß an hervorragenden Künstlern
groß ist, etwas Seltenes, also war er wieder genöthigt,
sich aufs Kleine zu befleißigen, um gemächlich leben zu
können. Dieses gelang ihm,. er gewann reichlichen Unterhalt,
fand Freunde und wurde beliebt.
Es war das zwölfte Jahr, daß er
in Paris verweilte, da besuchte ihn der Legationssekretär
von Freber und machte ihm eine Beschreibung von der im Jahre
1764 neuerrichteten Dresdner Akademie, zugleich den Antrag, von
dem Generaldirektor von Hagedorn überbringend, ob er
(Schenau) nicht Neigung fände, eine Stelle in seinem
Vaterlande zu bekleiden, mit einem kleinen, aber mit der zeit erhöhtem
Gehalt. Obwohl erst hin und wieder schwankend, sagte Schenau,
nach mehrerer Korrespondenz mit dem Generaldirektor, zu, wurde im
Jahre 1768 Mitglied der Dresdner Akademie und kam zu Ende 1769 in
Dresden nach einer beschwerlichen Reise an.
Im Jahre 1770 stellte er vier Gemälde
zum ersten Male aus, welche Sr. Excellenz der Haushofmarschall
von Schönberg, ein eifriger Beschützer der Kunst,
zum Geschenk erhielt.
Ihre Königl. Hoheit die
verwittwete Kurfürstin von Sachsen trug ihm auf, eine
Epoche ihrer Genesung zu schildern, indem sie Schenau
durch die eingesandten gefälligen Allegorien kannte; er
vollendete den Auftrag mit großem Beifall. Der
Generaldirektor von Hagedorn, welcher Schenau
seiner Gunst und Gnade würdigte, drang in ihn, im Aktsaale
nach dem Modell zu zeichnen, welches Schenau auch
befolgte, und seine Akte in großer Menge dem gelehrten
Publikum zur Beurtheilung ausstellte; er gab sich Mühe mit
seinen Schülern und war glücklich Leute zu finden, in
denen Urstoff vorhanden war.
Im Jahre 1772 wurde ihm die Oberaufsicht
der Maler und Bildhauer bei der Porzellanmanufaktur in Meissen übertragen
unter der Direktion des Geh. Rath von Fletscher. Schenau
war nicht weniger beliebt, gefeiert und glücklich auch unter
der zweiten Direktion Sr. Excellenz des Grafen Marcolini.
Im Jahre 1774 ward er zum Professor der
Akademie erklärt und verwaltete den Dienst des berühmten
Professors Knöfler, so wie den des Professors Dietrich
in Meissen bereits seit 2 Jahren. Da sich nun Professor
Schenau bei beiden Aemtern, sowohl durch Unterricht als eigene
Werke, hervorzuthun gesucht hatte, so ward er nach Ableben des
unstreitig großen Direktor Hutins im jahre 1777 als
alternierender Direktor ernannt.
Im Jahre 1806 erkrankte Professor
Schenau, in der letzten Hälfte des August sogar
ernsthaft, so daß er am 22 August Abends den Kaiserl. Königl.
geschworenen und in Kursachsen immatriculierten öffentlichen
Notar Joh. August Benjamin Hiehle in seine Wohnung,
Kreuzstraße 539 (zweites Stockwerk), berief, welcher laut am
Testament angehängter Urkunde "Professor Schenau
zwar sehr krank und auf dem Bette, jedoch bei guten Verstandskräften
angetroffen;" in Gegenwart von sieben Zeugen, angesehene Bürger
der Stadt Dresden, ließ Professor Schenau sein Testamentg
aufsetzen, welches die Aufschrift "Hierinnen ist mein letzter
Wille, Johann Eleazar Schenau," trug; das Testament lautet:
"Da ich über kurz oder lang sterben werde, so will ich
folgende Disposition in Ansehung meines Nachlasses machen...."
Schon am nächsten Tag den 23.
August starb Professor Schenau.
Das auf dem Friedhof in Großschönau
stehende Denkmal
trägt auf der
Frontseite
folgende Schrift:
Hier ruhet Johann El. Schenau
Professor und Direktor der Königl. Sächs.
Akademie
der bildenden Künste zu Dresden.
Geboren zu Großschönau in der Oberlausitz
den 7. November 1737.
Gestorben den 23. August 1806.
Was in hohen Idealen,
Dich hier oft entzückt,
Hast Du jetzt zu tausend malen,
Schöner noch erblickt.
Nach Vollendung war Dein Streben,
Sie ist nunmehr Dein,
Denn, unsterblich wie Dein Leben,
Wird Dein Name seyn.
Rückseite:
Die hier ruhende Asche
weil. J. El. Zeissig, genannt Schenau,
wurde im Auftrage seiner Nichte Frau Marie Elisabeth Müller,
geb. Zeissig, durch ihren Ehemann Herrn Joph. Gottfried Müller,
Gerichtsältester und Kramer allhier, nebst diesem Denkmale
von dem zu sekularisierenden Johanniskirchhof zu Dresden den 6.
September 1854 mit hoher Bewilligung entnommen und den 8.
September 1854 von den Gemeinden Groß- und Neuschönau
aus dankbarer Anerkennung seiner um den Geburtsort erworbenen
Verdienste feierlich eingeholt und hier beigesetzt.
(Vielen Dank an Herrn Ch.Hengstenberg welcher mir das
Material zur Verfügung stellt) |